Kasugallery im Interview mit Kai Ulrich Liedtke

Großes Vorbild ist Gerhard Richter

Kasugallery im Interview mit Kai Ulrich Liedtke

Hat sich dein künstlerisches Talent schon als Kind gezeigt?

Erstmal vielen dank , dass du dir Zeit genommen hast, um die Fragen zu unserem Interview zu beantworten. Die Lust zu malen war schon immer da. Als Kind malte ich gerne Flugzeuge, Raumschiffe, auch Comics habe ich kreiert, aber sehr rudimentär. Kunst war schon immer das Lieblingsfach , aber gerade in ganz jungen Jahren waren, meine ich mich zu erinnern, die Mädchen stets besser. Später dann in der Jugendzeit entwickelte ich eine Hingabe für Karikaturen, von Mitschülern, aber auch Lehrern.

Wann hast du angefangen so richtig zu malen?

Mit 16 bekam ich meinen ersten richtigen Aquarellkasten, den ich auch heute noch habe. Es gesellten sich dann andere Aquarellkästen dazu, und heute habe ich eine sehr große Materialsammlung, auch ungewöhnliche Dinge, die teilweise Jahre auf einen „Einsatz“ warten. Ab 16 also ging es los, mit Aquarellen. Hier hat mich Emil Nolde und der Expressionsmus im Allgemeinen sehr beeinflusst. Ab 17 dann, genährt durch einen fantastischen Leistungskurs Kunst im Abitur, entstanden einige Arbeiten in Acryl, die noch sehr vom Surrealismus Dalis geprägt waren. Öl kam erst so ab Anfang 20 dazu.

Warum Öl / Aquarell? Hast du auch mit anderen Medien schon experimentiert?

Aquarell liebe ich für die Unmittelbarkeit, die schnelle Handhabung, für die Tatsache dass ich diese Technik immer bei mir führen kann, es braucht ja nicht viel: Wasser, Farbe., Papier. Bei der Aquarellmalerei ist die Reduktion auf das Wesentliche eine schöne Herausforderung, mit eher wenig Farbe (das wichtigste ist Wasser) zu einem Ausdruck zu kommen.

Öl mag ich sehr gerne wegen der Möglichkeit, einerseits möglichst lange Naß in Naß an Verläufen arbeiten zu können, gerade bei den Himmeln ist das wichtig, und andererseits harte Kanten und kräftige Cuts und Überlagerungen, auch durch Abkleben, zu fertigen. Auch dass ich beim Malen gerne Teilelemente umdisponiere oder spontan Dinge ergänze, spricht für Öl. Ölfarben haben eine unglaubliche Leuchtkraft und Beständigkeit, sind für die Ewigkeit.

Ich habe mit vielen Medien experimentiert, mit Acryl, Mischtechniken, Zeichnungen, Kohle / Kreide, und und und. Ich komme zu allen Techniken irgendwann wieder zurück, wenn auch nur zu Besuch, nur Acryl hat sich für mich erledigt. Ich hadere da viel zu sehr mit dem schnellen Trocknen der Farben, ich mag es einfach nicht.

Kai Ulrich LiedtkeStadtflucht

Kai Ulrich Liedtke Stadtflucht

Dein großes Talent ist die Perspektive und das Licht. Denkst du, dein Beruf hat damit zu tun? Wo und wie hast du gelernt Licht so schön wiederzugeben?

Ja, die Tatsache dass ich Architekt bin, noch dazu sehr stark involviert in die Technischen Aspekte der Architektur, weniger in die entwerferischen, beeinflusst den Hauptteil meiner Arbeiten. Die korrekte Anwendung der Perspektive wurde mir schon im Leistungskurs Kunst vermittelt, später im Architekturstudium. Manchmal ist die Perspektive aber auch gar nicht so korrekt – das ist aber dann schon eher Absicht, im Sinne einer „Irreführung“. Die Faszination für Licht, als Belichtung (natürlich) und als Beleuchtung (künstlich) sehe ich eher als Folge einer jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema Stadt einerseits (Beleuchtung) und Himmel andererseits (Belichtung).

Kai Ulrich Liedtke Stadtansichten

Kai Ulrich Liedtke Stadtansichten

Hattest du jemals einen Malkurs belegt?

Nein, nie. Auch in der Schule wurde ja nie Maltechnik an sich gelehrt. Ich würde mich diesem nicht grundsätzlich verschließen, wäre offen für neue Wege und natürlich für eine Perfektionierung der Technik. Aber es hat sich nicht ergeben, und es fehlt dann natürlich auch noch an Zeit, neben Beruf, Familie und Malerei.

Wer ist dein Vorbild und warm? Gibt es überhaupt ein Vorbild?

Kai Ulrich Liedtke im Stil von Gerhard Richter

Kai Ulrich Liedtke im Stil von Gerhard Richter

Ich schätze, das ist vielleicht auch sichtbar, Gerhard Richter aufs äußerste, aber ihn als ein Vorbild zu nennen, ihm also in irgendeiner Weise „nacheifern“ zu wollen, wäre doch vermessen und das will ich auch gar nicht. Ich schätze die Maler der neuen Sachlichkeit, Christian Schad, um einen zu nennen, für ihre städtischen und sozialen Themen und die technische Perfektion. Ich schätze die Expressionisten für Ihre Leidenschaft und Ihre Hingabe. Besonders nennen möchte ich hier allerdings einen leider unbekannteren Maler, Eberhard Schlotter, der erst vor wenigen Jahren 93 jährig starb. Habe mich sehr viel mit ihm beschäftigt. Er war ein fantastischer Maler, arbeitete sein ganzes Leben wie ein Besessener, blieb sein ganzes Leben, speziell in den 50er Jahren, seiner figürlichen Malerei treu, als alle anderen in die Abstraktion drängten und gedrängt wurden (zumindest im Westen). Er blieb dem Kunstbetrieb gegenüber zeitlebens sehr kritisch eingestellt und hatte seinen eigenen Kopf….was auch sein Verhängnis war, zumindest was die breitere Anerkennung angeht. Ich hatte das Glück ihn noch kennenzulernen. Er kommt einem „Vorbild“ am nächsten.

Was ist das größte Glück für dich als Künstler?

Die Fertigstellung eines Bildes. Die Signatur. Das Bild in andere Hände zu geben, „auf Reisen“ zu schicken, nicht nur durch Verkauf, ich verschenke auch gerne. Zu Wissen, es wird seinen Weg machen, und es ist etwas von mir, das bleibt.

Welche Ziele hast du?

Etwas zu schaffen, das von mir bleibt. Das hoffe ich durch die Kunst zu erreichen. Durch den Beruf ist das, denke ich, weniger wahrscheinlich.

Was malst du am Liebsten? Gibt es etwas, das du gar nicht magst?

Am Liebsten die Stadt und alles was so dazugehört…….kontrastierend zum stets gegenwärtigen Himmel. Häuser, Bürgersteige, Autos , Straßen, Dächer, Ampeln, Standstreifen, Kondensstreifen, Kaugummiautomaten (muss ich noch ran) , Werbetafeln, Zäune, Schaufenster und Aldi-Parkplätze (muss ich auch noch ran) . Aber speziell in den letzten Jahren kommt auch die Landschaft zu ihrem Recht. Gerne durchsetzt mit Spuren der Zivilisation, bevor zu sehr ins Schwärmerische abgeglitten wird. Ich „erde“ meine Bilder gerne durch Banalitäten. Ich hoffe auch immer, dass die Betrachterinnen und Betrachter das Eine oder Andere als humorvoll wahrnehmen, das ist schon so gewollt, ich lache gerne, auch und vor allem über mich selbst.

Was mir nicht liegt……Tiere. Hier bitte andere…..machen.

 

Vielen Dank für das tolle Interview.

Kasugallery, München

 

Die Ausstellung „Stadtflucht“ von Kai Ulrich Liedtke ist noch bis 04.05.2018 in unseren Räumen in der Theresienstraße 19 / Eingang Fürstenstraße in 80333 München zu sehen, Kasugallery.

 

Hier geht`s zur Homepage des Künstlers – Kai Ulrich Liedtke

 

Werbung nur für Künstler: Kasugallery, get connected


					
			
		
Share

Susanne Stelzl

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen